Künstlerinnen




Was ist Oberfläche? Was ist wirklich das Innere? Was ist vertraut? Wie schaffe ich mir ein Heim oder eine Heimat? Als Raum? Oder als Gefühl? Und muss ich dort Miete zahlen? Kann ich als eine Art Archäologin verborgene Schichten der Zivilisation frei legen? Mit Bildern? Wie entsteht mein Selbstbild – Als Abbild von etwas tatsächlich Sichtbarem? Was können wir wirklich sehen? Kann man Zeit sehen? Was ist Erinnerung? Sind Erinnerung und Zeit zwei nicht voneinander zu trennende Aspekte? Was ist eigentlich ein Augenblick? An was wollen wir uns erinnern? Was ist persönlich und doch im Erinnerungspotenzial aller? Kann ich mich mit fotografischem oder filmischem Blick dem Wesentlichen nähern? Banales, Alltägliches, Vergangenes und Zukünftiges in einem neuen Kontext sehen und zeigen? 

Fragen, die mich in allen meinen künstlerischen Arbeiten beschäftigen. 

Ilona Hellmiß








Claudia Rottsahl-Schwachhöfer 






Inder künstlerischen Arbeit zeigen sich Themen der Erinnerung und des Gegenwärtigen immer in Verknüpfung mit dem realen Raum oder einem aktuellen Projekt, welches es zu bearbeiten gilt.

Im Komplex der Erinnerungen geht es nicht nur um Begriffe wie Vergangenheit, Erlebtes, Erzähltes, Familie oder Heimat, sondern zudem um Gedächtnisbilder und Eindrücke, die Räume, Gebäude oder Architektur hinterlassen haben. Besonders in der Malerei wird dies konstant deutlich. 

Dabei sind Material und Ausführung so verschieden wie die gültigen, immer wiederkehrenden Themen oder aktuelle Schwerpunkte. Im Prozess der Entstehung ergeben sich ständig Sprünge zwischen den Medien Malerei, Fotografie, Installation und zuweilen auch Prosa. Einerseits können diese sich überlagern, andererseits stehen sie nebeneinander und erzeugen somit neue Spannungen.

Auf der Grundlage der beiden Studien, des Theoretischen der Kunstgeschichte sowie des Kunstpraktischen von Malerei, Grafik und interdisziplinärer Arbeit, wird dabei trotz der eingesetzten, unterschiedlichen Mittel und Materialien eine bestimmte Handschrift erkennbar. Diese zieht sich durch die gesamte Arbeit.

„Mein wildes Heim“ ist in diesem Kontext Irritation und Realität. Spannungsvoll. Es ergeben sich auch hier im künstlerischen Prozess Mischungen aus Erinnerungen, „heimatlichen“ Erinnerungen, aus Märchen, Träumen und Sehnsüchten - verquirlt mit dem aktuellen Alltag, mit der Gegenwart. 
Was ist Heim und was ist heimlich? Und was ist „wild“? Wie ist „wild“? „Nicht domestiziert“ – ist eine Bedeutung in der Tierwelt...
Dabei werden Formen entwickelt, die bestimmte Fragmente aufgreifen oder an sie erinnern, gleichzeitig zudecken oder aber einhüllen, was diffus bleiben soll.

Claudia Rottsahl-Schwachhöfer 













Michaela Schulze Wehninck 




Heimat ist nicht da oder dort. Heimat ist in dir innen, oder nirgends. 
(„Bäume“ von Hermann Hesse)

In der Beschäftigung mit dem „wilden Heim“  greife ich auf Erfahrungswerte und Erinnerungen zurück und entwickele diese weiter. Heimat ist für mich nicht an einen physischen Ort gebunden. Es ist vielmehr ein Gefühl von Geborgenheit – ein imaginärer Raum, in dem man sich wohlfühlt und der Rückzugsmöglichkeiten bietet. Manche Erinnerungen rufen ein Heimatgefühl hervor. Und man kann sie mitnehmen, an jeden beliebigen Ort, sodass sich auch in der Fremde ein ganz individuelles Gefühl von „Daheimsein“ einstellen kann.

Die Bilder aus Vergangenem und Erlebten, aber auch aus Träumen bilden die Basis für meine Arbeiten. Mal ist es ein Zeitungsausschnitt, der an eine Stimmung oder Szene erinnert, mal ein altes Foto. Zentrale Komponenten dieser Bilder übernehme ich, um Perspektiven und Proportionen festzulegen. Zusammen mit weiteren Elementen – teils scheinbar zusammenhangslos, teils verzerrt – entstehen collagenartige, manchmal märchenhaft anmutende Kompositionen, die „wilde“  Bezüge und ungewohnte Sichtweise erlauben. 

Michaela Schulze Wehninck











Manuela Stein








In meinen Arbeiten untersuche ich mit der Kamera meinen Körper. Die Oberfläche meiner Haut ist mein Ausgangsmaterial, mein Werkstoff. Ich fokussiere Teile meines Körpers in einer Weise, dass z. B. Füße und Hände, Finger und Zehen bisweilen abstrahiert erscheinen und nicht immer auf Anhieb zu erkennen sind. Der technische Apparat der Fotokamera ist für mich im Aufnahmeprozess wie ein neutralisierender Scanner, der ungerührt die mitunter sehr intime Sicht auf Körperdetails erfasst und versachlicht. In der Bildbearbeitung dringe ich mehr und mehr in die Materie ein, ich zoome, untersuche, spiegele, drehe, wiederhole und setze in immer neue Zusammenhänge. Aus Vertrautem entsteht Neues: Strukturales oder Skulpturales, Unentdecktes oder Unerwartetes, Verwirrendes oder Verstörendes. 

Ich beschäftige mich also in meinen Arbeiten immer mit meinem ureigenen „wilden Heim“ – denn zu allererst sind wir in unserem Körper zu Hause. Seine Oberfläche, die Haut, erscheint als Schutzraum und Aushängeschild. In ihr fühlen wir uns wohl. Oder auch nicht. Wie ein Heim können wir unsere Haut „gestalten“: wild, schlicht, exzentrisch. Wie ein Heim erzählt sie viel über uns, die in ihr wohnen. Sie, die äußere Hülle, ist es, die die Umwelt als Erstes wahrnimmt, mit ihr geben wir unserer Umgebung ein erstes Bild von uns.  In einzelnen Arbeiten experimentiere ich genau mit dieser Vorstellung und mache Teile meines Äußeren zu einer Innenverkleidung eines Raums.  

Manuela Stein













Ehemalige Teilnehmerinnen
Christa Hahn (2012-2016)
Elena Pinci Schneider (2012-2016)











Keine Kommentare:

Kommentar posten